Stearin, auch Stearinsäure genannt, eröffnet neue Möglichkeiten bei der Kerzenherstellung. In diesem Artikel lernen Sie die unzähligen Vorteile pflanzlicher Stearinsäure kennen – oder entdecken sie ganz neu. Auf die Plätze, fertig, anzünden!


Stearin – was ist das? Definition und Geschichte

Stearin ist eine Fettsäure, die früher aus tierischem Fett gewonnen wurde. Heute wird Stearinsäure dagegen aus Palm- oder Kokosöl hergestellt.

Sie wird seit langer Zeit verwendet und ist ein weitverbreiteter Bestandteil von Kerzen, Seifen, Kosmetik …

Stearinsäure ist seit dem Mittelalter ein wichtiger Rohstoff der Kerzenherstellung – damals wurde sie aus tierischem Fett gewonnen. Während der industriellen Revolution diente sie zunächst als Ersatz für Talg, dank einer Entdeckung des Chemikers Michel-Eugène Chevreul im 19. Jahrhundert. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sie sich wegen ihres hohen Schmelzpunkts allgemein durch.

Als Zusatz kann Stearin Ihnen zahlreiche Probleme ersparen: Es macht Ihr Wachs opaker und härter und verlängert die Brenndauer Ihrer Kerze.

Palmwachs und pflanzliches Stearin


Stearinsäure vs. Palmwachs

Stearin (Stearinsäure) und Palmwachs sind beide bei Raumtemperatur fest und werden als Rohstoffe für verschiedenste Produkte eingesetzt, etwa für Kosmetik, Lebensmittel und Kerzen. Es gibt jedoch einige wesentliche Unterschiede zwischen den beiden.

Stearin wird aus Pflanzenöl gewonnen, meist aus Palm- oder Sonnenblumenöl. Es ist ein weißes, cremiges Produkt, das als Emulgator dient und hilft, die Inhaltsstoffe in Kosmetik und Lebensmitteln miteinander zu verbinden.

Palmwachs hingegen ist ein Produkt aus Palmöl, das üblicherweise durch Heißpressen der Palmölsamen gewonnen wird. Es ist bei Raumtemperatur fest und wird häufig in Kosmetikprodukten eingesetzt, um für Textur und Stabilität zu sorgen.

Kurz gesagt: Stearin wird wegen seiner emulgierenden Eigenschaften verwendet, Palmwachs dagegen wegen seiner texturgebenden und stabilisierenden Wirkung. Diese Faktoren sollten Sie bei der Wahl Ihrer Rohstoffe unbedingt berücksichtigen.


RSPO-Zertifizierung und pflanzliches Stearin

Dank neuerer Forschung wurde ein natürlicher, RSPO-zertifizierter Ersatzstoff gefunden, der eine nachhaltige, vorteilhafte Produktion belegt – wirtschaftlich, ökologisch und sozial. So lässt sich Stearin heute pflanzlich herstellen statt aus tierischen Fetten, um seine negativen Auswirkungen auf die Umwelt und die Gesundheit der Verbraucher auf null zu senken. Derzeit gibt es daher keinerlei Gesundheitsrisiko und keine Gegenanzeige mehr für die Verwendung von Stearin, und es hat keinen Einfluss auf das Abbrennverhalten. Nicht schlecht, oder?


Wozu dient pflanzliche Stearinsäure in einer Kerze?

Stearin ist ein Wachszusatz, der dafür sorgt, dass Kerzen gleichmäßiger und mit hoher thermischer Stabilität brennen. Der Schmelzpunkt von Stearin liegt bei 62 °C. Eine Besonderheit von Stearin: Erweichungspunkt und Schmelzpunkt sind nahezu identisch (bei Paraffin liegen 15 °C zwischen beiden Werten).

Eine Kerze aus einer Mischung von Paraffin und Stearin brennt länger als eine Kerze aus reinem Paraffin.

Stearin auf einen Blick:

  • Verlängert die Brenndauer einer Kerze.
  • Lässt sich sehr gut einfärben und macht Farben intensiver.
  • Macht das Wachs opaker.
  • Eignet sich für Formkerzen (100 % Stearin).
  • Ideal für duftende Wachsfondants (100 % Stearin) – mit sehr starker Duftentfaltung.
  • Verbessert die Duftentfaltung von Sojawachs (5 bis 10 %).
  • Macht die Kerze härter und beugt so feinen Rissen vor.

Mit einer höheren Dosierung können Sie das Wachs opak machen; gehen Sie noch deutlich weiter, kann die Oberfläche zu kristallisieren beginnen.


Videoanleitung: Kerzen und Wachsfondants aus Kerzensand


Pflanzliches Stearin als Hauptwachs verwenden

Stearin hat einige interessante Eigenschaften: Mit geringeren Anteilen als empfohlen lässt sich ein „Kristalleffekt“ erzielen (sofern Sie einen kräftigen Docht einplanen), mit höheren Anteilen dagegen deutlich intensivere Farben.

Stearin lässt sich auch ganz ohne Zusätze als Wachs verwenden – für Behälterkerzen, für Formkerzen oder sogar für Wachsfondants in Sandoptik.

Aber Vorsicht! Für Stearin verwenden Sie am besten ausschließlich Formen aus Polycarbonat oder Glas.